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Massiver Arbeitskräftemangel im Niedriglohnsektor durch striktere Immigrationsregularien

Ein Aufschrei der Betreiber von Obstfarmen geht derzeit durch die neuseeländische Presse. Vor allem in der Bay of Plenty stehen die Erntemanager vor vollen Bäumen und suchen händeringend nach rund 1200 fehlenden Arbeitskräften. In dieser Region wachsen rund 85 Prozent aller Kiwi-Früchte Neuseelands.

Gerade in Niedriglohnsektoren wie dem Obstanbau, aber auch in der Bauindustrie haben ausländische Arbeiter gute Chancen, eingestellt zu werden. Vor allem für „Work and Traveller“ bieten sich hier Gelegenheiten.

Sie sollen keine Konkurrenz für einheimische Bewerber und Arbeitslose sein, so die oberste Prämisse der Politik und der neuseeländischen Einwanderungsbehörde. Doch durch die massiv gesunkene Anzahl von Niedriglohn-Immigranten und ausländischen Studenten kommt es jetzt bei der überdurchschnittlich gut ausfallenden Kiwi-Ernte von rund 20 Prozent plus in diesem Jahr zu Engpässen.

„Wir haben hier ein 70-Millionen-Dollar-Geschäft einzubringen und ich wache jeden Morgen auf und weiß nicht, woher wir die fehlenden 1200 Leute bringen sollen“, klagt Stuart Weston Manager von „Apata“, die rund zehn Prozent der gesamten Kiwi-Ernte der Bay of Plenty einfahren.

Ähnlich geht es „Seeka“-Chef Michael Franks. Er musste Nachtschichten absagen und Maschinen stilllegen, da ihm rund 300 Arbeitskräfte für die Ernte, die Packhäuser und die Kühl- und Lagerräume fehlen. Nur 50 bis 60 Prozent machen lokale Arbeiter aus.

„Wir haben dieses Jahr auch viel weniger Backpacker, es ist zum Haare raufen“, erklärt Franks. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt läuft aufgrund der relativ niedrigen Arbeitslosenquote von um die vier Prozent nur mäßig. „Wir rekrutieren mittlerweile schon weit über unsere Region hinaus, bis nach Rotorua.“

Diese Personalknappheit können sich jetzt junge Ausländer zunutze machen. „Wer das Land über die Arbeit von einer anderen Seite kennenlernen will und seine Urlaubskasse aufbessern muss, hat hier eine gute Möglichkeit“, erklärt auch der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn.

„Mit einem ,Working Holiday Visa‘ ist die Arbeit in der Landwirtschaft allgemein überhaupt kein Problem. Und wer bereits das 30. Lebensjahr überschritten hat und für diese Visa-Kategorie zu alt ist, kann ein sogenanntes RSE-Visum beantragen. Das wurde extra für saisonale Beschäftigung geschaffen, um den erhöhten Personalbedarf während der Erntezeiten decken zu können.“

RSE bedeutet „Recognised Seasonal Employer Limited Visa“. „Man sollte jedoch auch wissen, dass meist nur der Minimumlohn von 16,50 NZD pro Stunde für diese Art von Jobs bezahlt wird. Auf kleinen Farmen arbeiten die „Woofer“ (,Worker on Organic Farms‘) oft sogar nur für Kost und Logis“, gibt Peter Hahn zu bedenken. „Dies ist eine gute Möglichkeit, um ein bisschen Erfahrung in einem anderen Land zu sammeln, die Sprache zu verbessern. Reich wird man damit für die oft relativ anstrengende Arbeit nicht. Aber wenn die Unterkunft oder die Arbeitsbedingungen nicht passen, zieht man eben weiter.“

Es ist jedoch ganz wichtig zu wissen, dass man als Backpacker mit einfachem Touristenvisum gar nicht arbeiten darf, auch nicht gegen Kost und Logis! „Selbst wenn kein Geld für die Arbeit fließt, wird die Unterbringung und Versorgung der Arbeiter als Arbeit definiert und ist mit einem Besuchervisum nicht erlaubt“, warnt der Neuseeland-Experte. Die Ernte, je nach Fruchtanbau, dauert noch bis etwa Mitte Juni.

Mit einem ähnlichen Arbeitskräftemangel hat derzeit die Bauindustrie in Neuseeland zu kämpfen. Die neue Regierung versprach einen Bauboom, um dem stetigen Wohnraummangel entgegen zu wirken, verschärfte jedoch gleichzeitig die Anwendung der Immigrationsregeln. Dies führte zu entsprechend weniger Immigranten und reißt besonders im Baugewerbe ein großes Loch in den Arbeitsmarkt an qualifizierten Fachkräften.

„Auch in diesem Sektor können ,Work and Traveller‘ mit anpacken“, weiß Peter Hahn. Allerdings kann sich auch für gelernte Handwerker mit Qualifikationen aus dem europäischen Raum eine Tür öffnen. „Typische Arbeiter in den Bauberufen wie Tischler, Zimmerer, Maurer, Fliesen- oder Bodenleger werden derzeit händeringend gesucht. Aufgrund dieses hohen Bedarfs kann man häufig ein richtiges Work-Visa-Verfahren darauf aufbauen und unter bestimmten Voraussetzungen sogar die ,residency‘ bekommen, die Aufenthaltsgenehmigung für Neuseeland.“

Egal ob für junge Leute, die neuseeländische Arbeitsluft schnuppern wollen, oder für ältere Bewerber, die nur für eine Erntesaison mithelfen oder im Baufachbereich tätig sein wollen – die Möglichkeiten für arbeitswillige Ausländer in Neuseeland stehen derzeit gut, trotz verschärfter Visa-Bedingungen.

(Anja Schönborn)

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