Neuerscheinung: Nordinsel abseits der ausgetretenen Pfade

Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

360° Kanada

Kennen Sie schon unser Schwester-Magazin 360° Kanada?
Mehr erfahren Sie hier:

 

Werbung

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Erste große Änderung der Immigrationsrichtlinien: Einwanderungsminister will „Student Category“ verschärfen

Obwohl die neue Labour-Regierung noch gar keine Einwanderungsgesetze geändert hat, ist die Einwanderung nach Neuseeland bereits deutlich schwieriger geworden.

„Bislang wurde nur die Anwendung der bestehenden Regulierungen weitaus strenger durchgeführt“, erklärt der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Wo früher Anträge einfach durchgewinkt wurden, prüft man heute ganz genau. Kaum ein Beamter übt den Handlungsspielraum bei der Beurteilung der Papiere noch zugunsten der Antragsteller aus“, erklärt er beobachtend.

Nun hat Immigration Minister Lees-Galloway mit den in den Wahlversprechen angedeuteten Änderungen Ernst gemacht. Er legte ein Papier vor, in dem zunächst der „Student Pathway to Residence“ verändert und damit für bestimmte Zielgruppen erschwert werden soll.

Einwanderung für Studenten wird schwieriger

Die internationale Bildung ist Neuseelands fünftgrößter Exportfaktor. Kein Wunder, dass es jetzt, wo es zu Verschärfungen bei der Vergabe von Visa kommen soll, einen Aufschrei der Bildungsindustrie gibt.

Noch vor Jahren schossen Institute wie viele „Polytechnics“ überall im Land aus dem Boden. Mit niedrigeren „business degrees“ lockte man Tausende von Studenten, vor allem aus Indien und China nach Neuseeland, verkaufte ihnen das Studium sozusagen in Kombination mit der Chance, danach nach Neuseeland einwandern zu können.

Eine Multimillionen-Dollar-Industrie entstand, um die rund 33.000 direkte Jobs entstanden und die indirekt viele weitere als Berater etc. beschäftigt. Letztendlich füllten viele Studienabgänger jedoch nur den Arbeitsmarkt in Bereichen, in denen gar kein Bedarf an ausländischen Arbeitskräften bestand. Dadurch ging die Einwanderungsquote deutlich nach oben und Unmut über die stark wachsende Zuwanderung wurde laut.

Labour hatte versprochen, gezielt die Einwanderungsregulierungen unter die Lupe zu nehmen. So veröffentlichte der Minister jetzt seinen ersten Änderungsvorschlag für die „Student Category“.

„Bisher war der Weg über ein Studium für einige meiner Kunden tatsächlich eine gute Eintrittskarte, um auch in höherem Alter noch in Neuseeland Fuß zu fassen. Darauf konnte man langfristig mit den entsprechenden Investitionskosten, den hohen Studiengebühren für Ausländer und entsprechend langem Atem, ein ,Residency‘-Verfahren aufbauen“, berichtet Peter Hahn aus seinen über 20 Jahren Erfahrung.

Dieser Umweg bei der Einwanderung war eine gute Strategie für Kunden, die etwa aufgrund ihres Berufs nicht in die Schablonen der von Neuseeland erwünschten Einwanderungskandidaten fielen.

„Sollten die Änderungen in dieser Form in Kraft treten, wird es je nach individueller Situation ein wenig schwieriger werden und vor allem teurer, über diese Schiene einzuwandern“, gibt der Immigrationsberater zu bedenken.

Das Diskussionspapier sieht folgende Änderungen für den „Student Pathway to Residence“ vor:

  • Arbeitgeber-gebundene Work Visa nach dem Studium werden abgeschafft. Es gibt jetzt nur noch offene, nicht an Arbeitgeber gebundene Work Visa.
  • Wer unterhalb eines Bachelor studiert, bekommt maximal ein Work Visa für ein Jahr, wenn das Studium mindestens über zwei akademische Jahre belegt und erfolgreich abgeschlossen wurde.
  • Studenten, die ein Studium mit Bachelor oder Master belegen und abschließen, bekommen danach ein offenes (nicht Arbeitgeber-gebundenes) Work Visa für drei Jahre.
  • (Ehe-) Partner von Master-Studierenden bekommen kein Work Visa mehr (im Gegensatz zu früher) während der Studienzeit, und etwaige Kinder müssen an neuseeländischen Schulen die höheren, internationalen Schulgebühren bezahlen. Ein Master als einjähriges Aufbaustudium auf einen bestehenden Bachelor ist wegen der geringeren Dauer und der hohen Studiengebühren für Ausländer kostengünstiger als ein reguläres Dreijahresstudium.
  • Nur für Studiengänge mit Bachelor- oder Master-Abschluss, bei denen der Beruf auf der „Long Term Skill Shortage List“ steht, bekommt der Partner des Studierenden künftig ein offenes Arbeitsvisum für die Dauer des Studiums und die Kinder werden als Bewohner („domestic residents“) eingestuft und bezahlen keine ausländischen Schulgebühren.

„Im Grunde lässt sich zusammenfassen, dass die meisten meiner Kunden ohnehin qualifizierte Studiengänge belegen. So viel ändert sich deshalb gar nicht“, resümiert Peter Hahn die geplanten Änderungen. „Allerdings kann man ganz klar sagen, dass der Weg über ein Studium, das keinen Beruf der ,Long Term Skill Shortage List‘ bedient (dazu gehören z. B. IT und das Ingenieurswesen), wesentlich teurer wird.  Zu den ausländischen Studiengebühren sind dann auch noch etwaige ausländische Schulgebühren für alle Kinder zu bezahlen (Familien) und der Partner kann während des Studiums kein Geld dazuverdienen, weil er keine Arbeitserlaubnis mehr bekommt!

So ein Weg ist tatsächlich nur für flexible Leute etwas, die Geduld, Zeit und das nötige Geld mitbringen, so eine Strategie in die Tat umzusetzen. Aber für diese Zielgruppe nach wie vor eine Möglichkeit.“

Momentan ist der Vorschlag des Ministers zur Konsultation der Öffentlichkeit freigegeben. Sollte er umgesetzt werden, müssten einige private Ausbildungsinstitute ihre Türen schließen oder sich umorientieren. Welche Änderungen realisiert werden, bleibt abzuwarten.

Zudem kündigte Lees-Galloway an, dass es für Studenten, die bereits im Land studieren, eine Übergangsregelung geben werde. „Ich gehe davon aus, dass die Änderungen noch dieses Jahr in Kraft treten und dann für alle Studenten gelten, die im Februar 2019 zum Studienjahresbeginn in Neuseeland anfangen“, spekuliert Peter Hahn. „Eine ähnlich erschwerende Umstrukturierung wurde auch für den Bereich der Work-Visa-Vergabe angekündigt.“

(Anja Schönborn)

Goto Top