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Schockierend: Ölbohrungen im Schutzgebiet von Maui-Delfinen erlaubt

Umweltschützer sind schockiert, das Department of Conservation zeigt sich tief besorgt: Heimlich, still und leise hat eine Ölfirma das Recht für Probebohrungen innerhalb eines Marine-Schutzgebiets erhalten. Dieses Schutzgebiet wurde erst 2008 ins Leben gerufen, um den akut vom Aussterben bedrohten Maui-Delfin zu retten.

Umweltschutzorganisationen wurden über den Vorgang nicht informiert, und auch das DOC äußert starke Bedenken über die Sicherheit der kleinsten Delfin-Art der Welt, sollte auf die Probebohrungen eine Konzession zum Meeresbodenbergbau folgen.

Das West Coast North Island Marine Mammal Sanctuary erstreckt sich an der Küste zwischen Maunganui Bluff im Northland bis hinunter zum Oakura Beach in Taranaki, es reicht zwölf Seemeilen weit ins Meer hinein. Sein ausdrücklicher Zweck ist der Schutz des vom Aussterben bedrohten Maui-Delfins, von dem es nur noch etwa 100 Tiere gibt. Sie alle leben an der Westküste der Nordinsel Neuseelands.

Ölförderung und andere Ausbeutung des Meeresbodens innerhalb des Reservats sind verboten in einem Bereich von zwei Seemeilen vor der Küste, weiter draußen sind sie technisch jedoch erlaubt.

Im Mai 2018 gab die neuseeländische Regierung einer Firma die Erlaubnis zur Exploration in einem 220 Quadratkilometer-Abschnitt vor der Küste von New Plymouth. Ironsands Offshore Mining will dort Mineralien aus dem eisenhaltigen Sand am Meeresboden fördern. Um Probebohrungen durchzuführen, benötigt das Unternehmen keine Erlaubnis des Regionalrats, da diese unter dem Küstenplan des Taranaki Distrikts als erlaubte Aktivität gelten.

Neben der Konzession für Taranaki bekam das Unternehmen auch eine Explorations-Erlaubnis für ein Gebiet von 120 Quadratkilometern parallel zum Waihi Beach in der Bay of Plenty. Um hier Probebohrungen durchzuführen, brauchen sie eine Erlaubnis des Regional Council, was in Taranaki nicht notwendig ist.

Der Widerstand gegen Meeresboden-Bergbau in der Region Taranaki ist stark, nachdem hier bereits eine andere Firma, Trans-Tasman Resources, eine Konzession zum Abbau erhalten hat. Die Entscheidung wurde von elf Parteien gerichtlich angefochten, darunter die Fischereiindustrie, Maori-Stämme und Umweltschutzgruppen wie Greenpeace; eine Entscheidung des Hohen Gerichts in Wellington steht noch aus.

Die Konzession für Ironsands umfasst ein Gebiet von fast vierfacher Größe wie die Erlaubnis für Trans-Tasman und liegt näher an der Küste. Dies könnte noch gravierendere Folgen für Ökosysteme und Umwelt haben.

Russel Norman von Greenpeace zeigte sich schockiert und meinte, die Entscheidung enthülle, wie schwach die Schutzwirkung der neuseeländischen Gesetze sei. „Wozu erklärt man Meeresschutzgebiete, wenn dann genau in deren Mitte Bergbau betrieben werden darf?“, fragt er fassungslos.

Auch die Partei der Grünen erfährt starke Kritik, weil der Vorgang von einer Regierung autorisiert wurde, an der sie teilhaben. Eugenie Sage, die Umweltschutzministerin, muss sich fragen lassen, was sie dagegen tut – derzeit sieht es so aus, als sei auch sie von der Entscheidung überrascht worden.

Sage muss nun die Regierung und die Premierministerin verteidigen, die sich den Umweltschutz zu Beginn ihrer Amtszeit auf die Fahnen geschrieben hat. Sie beruhigt Kritiker, dass Ironsands wegen der Maui-Delfine sicherlich keine Erlaubnis zum Meeresbergbau vor Taranaki erhalten werde. Fraglich bleibt, weshalb sie dann überhaupt Probebohrungen durchführen dürfen.

Im Endeffekt hat das DOC ohnehin keinen Einfluss auf den Zustimmungsprozess zu Meeresbergbau-Projekten; diese unterstehen allein der Abteilung New Zealand Petroleum and Minerals des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft.

(Jenny Menzel)

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