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Einsitzen in Neuseelands „humanstem“ Gefängnis

Kräuter, Yoga und Sonnenbaden – Neuseelands neues Gefängnis in Auckland hört sich mehr wie ein Hotel an. Der Inselstaat im Pazifik hofft, mit dem „humanen“ Gefängnis wieder mehr Menschen in die Gesellschaft integrieren zu können. Nötig ist das, denn das Land hat eine der höchsten Inhaftierungsraten der entwickelten Welt.

Wer ein Verbrechen begangen hat, der soll dafür büßen. In einem Gefängnis zu sitzen, das einem Hotel gleicht – dafür haben die meisten redlichen Bürger wenig Verständnis. Tatsächlich wirkt das neue Gefängnis in Auckland auf den ersten Blick ein wenig wie ein Resort. Hier können Insassen auf echtem Rasen laufen, sich sonnen und in den Zellen Yogaübungen machen. Der Besucherraum erinnert an ein modernes Café und der sensorische Garten wäre auch in einem Luxusresort nicht fehl am Platz.

300 Mio. NZD (174 Mio. Euro/202 Mio. Franken) hat das neue Hochsicherheitsgefängnis gekostet, das seine Insassen mit ganzheitlichen und therapeutischen Programmen versorgen will. Am Stadtrand von Neuseelands größter Stadt Auckland gelegen, ersetzt es in Teilen das berüchtigte Paremoremo-Gefängnis, das den US-Supermax-Gefängnissen Marion und Alcatraz nachempfunden war.

Altes Gefängnis „jenseits des Verfallsdatums“

Yvonne Jewkes, Professorin für Kriminologie an der britischen Universität von Kent, die als Beraterin für das neue Gefängnis arbeitete, nannte die alte Einrichtung gegenüber dem „Guardian“ eine „nationale Schande" und „das grimmigste Gefängnis“, das sie je auf der Welt gesehen habe.

Im Paremoremo-Gefängnis saßen bisher Neuseelands gefährlichste Verbrecher, die auch vor Gewalt gegen die Gefängniswärter nicht zurückschreckten. Im Oktober 2016 wurden sechs Wärter verletzt, nachdem Insassen über sie herfielen. Im Juni 2018 berichteten lokale Medien erneut von organisierter Gewalt von Gefängnisgangs gegen die Angestellten.

„Das alte Hochsicherheitsgefängnis wurde vor 50 Jahren gebaut und war für eine ganz andere Zeit und einen anderen Zweck bestimmt“, sagte Ray Smith, Leiter des neuseeländischen Strafvollzugs. Die alten Einheiten seien jenseits des Verfallsdatums gewesen. „Die Technologie hat sich verändert, ebenso die Art und Weise, wie wir Rehabilitation und Unterstützung für Häftlinge mit psychischen Problemen leisten.“

Auf 100 000 Einwohner kommen 220 Sträflinge

Neuseeland hat eine der höchsten Inhaftierungsraten der entwickelten Welt. Auf 100 000 Einwohner kommen 220 Sträflinge, wobei die neuseeländischen Ureinwohner – die Maori – überproportional vertreten sind. Sie machen mehr als 50 Prozent aller Gefangenen aus, obwohl von den 4,8 Millionen Neuseeländern gerade mal etwas über 700 000 Maori sind. In Deutschland sind es im Vergleich nur 78, in Österreich 98 und in der Schweiz 82 Inhaftierte pro 100 000 Einwohner.

In Neuseeland müsse man aber bedenken, dass über 90 Prozent der Gefangenen psychisch krank seien oder ein Suchtproblem hätten, schrieb eine Sprecherin des Strafvollzugs in einer E-Mail. In der neuen Anlage würde sich das Management deswegen auf die Behandlung von akuten psychischen Problemen konzentrieren. „Die neue Anlage ist für unsere Mitarbeiter wesentlich sicherer und es gibt deutlich bessere Möglichkeiten für die Umsetzung von Bildungs-, Beschäftigungs- und Rehabilitationsprogrammen.“

Kräuter beruhigen und stimulieren

Die Rehabilitationsprogramme werden individuell auf die einzelnen Häftlinge und ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Um denjenigen mit mentalen Problemen oder einer Drogenabhängigkeit zu helfen, dürfen sie nicht nur an der frischen Luft und in der Natur sein, sondern auch Yoga praktizieren oder die Gärten des Gefängnisses besuchen.

Neben einem Garten, in dem die Gefangenen eigene Pflanzen hegen und pflegen, gibt es auch einen sensorischen Garten mit Kräutern wie Thymian oder grüner Minze, die beruhigen und gleichermaßen stimulieren sollen. Horizontale statt vertikale Balken ermöglichen den Insassen von ihren Zellen aus einen besseren Blick auf die Natur. Außerdem sind die Zellen mit neun statt knapp sechs Quadratmetern deutlich geräumiger, verfügen über eigene Duschen und Fernseher.

Neuseelands „humanes“ Gefängnis ist nicht das erste oder einzige der Welt. Auch in der Jugendstrafanstalt De Maasberg in den Niederlanden kann man es aushalten, wo sich Inhaftierte zwischen den architektonisch schön gestalteten Haft- und Arbeitsplätzen frei bewegen dürfen.

Als das „humanste“ Gefängnis der Welt wird meist ein norwegisches Gefängnis in der Nähe von Oslo bezeichnet, wo die Insassen in Blockhütten mit eigenem Bad leben und sich in einem Musikstudio oder beim Sport austoben können.

(Barbara Barkhausen)

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