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Erosion stürzt Kapitän Cook ins Meer

Ein Gedenkstein auf der Coromandel Peninsula, der an den ersten Besuch von Kapitän Cook in Neuseeland erinnert, ist vor einigen Tagen ins Meer gestürzt.

Der Vorfall ist nicht lustig – zeigt er doch die Probleme auf, die zunehmende Erosion für die Küste der Halbinsel bedeuten.

Kapitän Cook besuchte die Mercury Bay im November 1769, als er im Auftrag der Britischen Krone astronomische Beobachtungen in diesem Teil der Welt anstellen sollte: Die Passage des Merkurs vor der Sonne sollte möglichst exakt vermessen werden. Er ankerte damals für einige Tage an einem Strand, der heute als Cooks Beach bekannt ist und nahe der Stadt Whitianga liegt.

Der Aufenthalt des britischen Forschungsreisenden, dessen geheimer zweiter Auftrag erst vor Ort enthüllt wurde – er sollte Neuseeland für die Britische Krone beanspruchen –, wurde später mit einem Granitstein und einer Inschrift am Cooks Beach verewigt. Genau dieser Stein stürzte nun endgültig ins Meer, nachdem die Wellen sein Fundament weggespült hatten.

Einwohner, die diese Entwicklung mit Sorge beobachten, prophezeien nun, dass die hinter dem Gedenkstein entlangführende Straße bald dasselbe Schicksal erleiden wird. Der Stein selbst kann problemlos wieder aufgestellt werden; als Symbol und Messpunkt für die zunehmende Erosion hat er jedoch eine wichtige Warnfunktion.

Sie apellieren an den Gemeinderat des Thames-Coromandel Distrikts, sich endlich nachhaltig um das Problem der Küstenerosion zu kümmern. Das Aufstellen von Schutzzäunen und Netzen, um Menschen vom Herabstürzen ins Meer zu bewahren, reicht nicht mehr aus.

Dem Gemeinderat sind allerdings die Hände gebunden: Er kann nur „weiche“ Schutzmaßnahmen anordnen, um das Land zu verstärken, solange die Erosion keine öffentliche Straße oder privates Eigentum bedroht. Bisher gibt es Bemühungen, die an der Küste liegenden Dünen mit Sandaufschüttungen zu verstärken; außerdem werden einheimische Gräser angepflanzt, um den Boden festzuhalten.

Die Erosion ist in relativ kurzer Zeit weit fortgeschritten und hat Anwohner und Verantwortliche überrascht: Ein etwa 150 Meter breiter Küstenstreifen ist binnen weniger Monate merklich schmaler geworden. Das umgestürzte Cook-Monument steht fast zehn Meter hinter der Straße; sobald die Erosion diese erreicht hat, will der Gemeinderat härtere Maßnahmen ergreifen und z. B. eine Mauer aus Steinen und Holz errichten.

Warum der Sand der Küste auf einmal in so schnellem Tempo verschwindet, bleibt allerdings fraglich – und der Kern des Problems, das mit Eindämmungsmaßnahmen wohl nicht langfristig zu lösen ist.

Nach Schätzungen von Umweltforschern sind mehr als 1000 Häuser auf Coromandel von der Küstenerosion bedroht; etwa 50 werden in die Hochrisiko-Kategorie eingeordnet und könnten bei der nächsten Sturmflut weggerissen werden. Vor allem Häuser am Cooks Beach und Buffalo Beach an der dem Pazifik zugewandten Ostseite, aber auch der Thames Highway an der Westseite werden die nächsten Opfer der Erosion sein.

Wenn im Zuge des Klimawandels der Meeresspiegel in Neuseeland um mindestens 50 Zentimeter steigt, mehr Stürme und Starkwetterereignisse auftreten und gleichzeitig immer mehr Menschen auf der Coromandel Peninsula wohnen wollen, wird es kritisch für die Strände und die Häuser, die an ihnen stehen.

Ein umgestürzter Gedenkstein ist dann das geringste der Probleme für die Einwohner von Coromandel.

(Jenny Menzel)

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