Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

Neuseelandhaus

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Neues Land für Neuseeland erobert

Wahrscheinlich haben Sie noch nie etwas von New New Zealand Island – kurz: NNZI – gehört? Auch die kleine australische Ortschaft Eildon im Bundesstaat Victoria, etwa 140 km nordöstlich von Melbourne, ist Ihnen mit ziemlicher Sicherheit noch niemals untergekommen.

Das könnte sich in Zukunft ändern.

Denn sechs Kiwi-Pioniere, die zum Arbeiten in das mit schönerem Wetter und besserem Verdienst gesegnete Nachbarland leben, haben auf dem gleichnamigen Stausee bei Eildon eine kleine Insel entdeckt, in Beschlag genommen und umgehend für ihr Heimatland beansprucht – so, wie man es in den guten alten Zeiten des britischen Commonwealth auch gern tat.

Jeremy Shanks und seine Freunde hatten eigentlich keine Großtaten auf ihrer To-do-Liste für den Sommer stehen gehabt. Der Grund für ihren Ausflug zu der unentdeckten kleinen Insel war einfach, wie sie nachher angaben: Langeweile.

„Jedes Mal, wenn ich zur Arbeit fahre, sehe ich diese Insel“, erklärte Jeremy Shanks danach der interessierten Presse. „Die Idee, sie zu erobern, spukte mir schon seit einiger Zeit im Kopf herum. Und dann kam der perfekte Tag,” erinnert er sich im Interview mit dem „New Zealand Herald“. „Wir beschlossen, die Insel für unser Vaterland in Anspruch zu nehmen.“

Das unbekannte, etwa 60 Quadratmeter große Eiland war bisher weder auf Google Maps noch auf TripAdvisor verzeichnet, es hatte auch keinen offiziellen Namen auf Karten der Gemeinde Eildon. Ganz klar: Es wartete darauf, erobert zu werden.

Über den flachen, nach jahrelangen Dürren fast ausgetrockneten Stausee, der die umliegenden Felder bewässert, ruderte die Gruppe neuseeländischer Pioniere beherzt hinaus in unentdeckte Gewässer, um die Insel in Besitz zu nehmen. Trotz kniffeliger Unterströmungen meisterten sie die Landung und betraten neues Land. Nun weht an der nordöstlichen Küste des Eilands stolz der neuseeländische Union Jack im Wind. Der bald gefundene Name für das neue neuseeländische Staatsgebiet: „New New Zealand Island“.

Die Einwohner von Eildon nahmen die Aktion ihrer umtriebigen Nachbarn überraschend sanftmütig auf. Angesichts jahrzehntelang mit hitzigem Eifer ausgetragenen Konflikten über die wahre Quelle des Pavlova-Rezeptes oder den aktuellen Streit um die Markenrechte für Manuka-Honig verwundert es fast, dass die Anstrengungen der Kiwi-Eroberer in Eildon sogar gepriesen wurden. Die Eroberer von NNZI haben die Vermutung, gerade ältere Einwohner fänden die Aktion nur deshalb gut, weil sie die neuseeländische mit der australischen Flagge verwechseln würden – auf die Entfernung ist der winzige Unterschied tatsächlich kaum auszumachen.

Die Entdecker wollen zunächst kein weiteres Territorium für ihr Heimatland konfiszieren. Sie planen, NNZI in den nächsten Tagen und Wochen mit einigen Liegestühlen und einer Kühlbox zu zivilisieren. Ihre Wirtschaft könnte auf zwei bis drei Kühen oder Schafen beruhen. Als vielversprechende Exportgüter sehen sie Blaubeeren an. „Vielleicht führen wir auch ein paar neue Arten ein: einen Totara oder vielleicht einen Rimu-Baum. Das würde uns als Neuseeländern viel bedeuten. Mehr streben wir eigentlich nicht an”, erklärt Entdecker Jeremy Shanks bescheiden.

Zu Neuseelands Staatsgebiet zählt eine Vielzahl von kleinen Inseln. New New Zealand Island ist aber die erste, die mitten in australischem Territorium liegt – was für ein Coup im ständigen Wettstreit der beiden Länder!

Von Seiten der australischen Regierung gab es bisher kein Statement, ob die Insel zurückerobert oder als neuseeländisches Territorium anerkannt werden soll. Die Entdecker geben sich friedlich: „Wir sind nicht gekommen, um Krieg zu führen“, deklarierte Shanks gleich nach der Eroberung.

Die neuen Gründer von NNZI wenden sich nun all den praktischen Alltagsfragen zu, die ein neues Staatsgebiet umgehend regeln muss. Eine Antwort der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern auf die Anfrage, ob Besucher vom Festland vor Betreten der Insel um ein Visum ersuchen müssten, steht noch aus. Die neuen Besitzer haben bereits angekündigt, dass australische Besucher kein Visum bräuchten, aber ein Einreiseformular ausfüllen müssten.

Auf Facebook hat die kleine Insel bereits mehr als 500 Fans – wenn die alle zu Besuch kommen, könnte es eng werden.

(Jenny Menzel)

Goto Top