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Temporäre Work-Visa-Vergabe soll sich ändern: Ministerium stellt erstes Entwurfspapier vor

Die Grundidee hinter den geplanten Veränderungen bei der Vergabe von Work Visa ist simpel. Das Ministerium für „Business, Innovation and Employment“ möchte mit den neuen Regulierungen sicherstellen, dass die ausländischen Arbeitskräfte nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich gebraucht werden. Gleichzeitig soll Neuseeländern kein Arbeitsplatz weggenommen werden und die Ausbeutung von abhängigen Migranten eingedämmt werden.

Das Work-Visa-Verfahren soll künftig weniger auf die Immigranten fokussieren, sondern die neuseeländischen Arbeitgeber in den Mittelpunkt stellen. Das Verfahren soll außerdem unkomplizierter, schneller und effizienter werden.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington hat die Fakten des neu vorgestellten Verfahrens des Ministeriums schon einmal unter die Lupe genommen: „Auf den ersten Blick wirkt das Papier ein wenig unübersichtlich. In meinen Augen kann von Simplifizierung keine Rede sein. Allerdings ist diese Vorlage auch zunächst einmal eine Diskussionsgrundlage, die momentan in den Konsultationsprozess geht. Je nach Druck einzelner Sparten könnte sich da noch einiges ändern und nachgebessert werden“, gibt Peter Hahn zu bedenken.

Grundsätzlich bestünde der neue Work-Visa-Prozess für ausländische Arbeitskräfte und neuseeländische Arbeitgeber aus drei „Gates“, die durchlaufen werden müssten (siehe Grafik).

Gate 1

Zunächst muss sich der neuseeländische Arbeitgeber akkreditieren, damit er überhaupt ausländische Arbeitskräfte anstellen darf. Hierfür soll es dann drei unterschiedliche Formen der Akkreditierung geben, je nachdem, ob es sich um ein kleines oder ein großes Unternehmen handelt und wie viele Jobs in der Firma an Ausländer vergeben werden sollen. Auch spielt beispielsweise eine Rolle, ob der Betrieb gleichzeitig Neuseeländer ausbildet.

Gate 2

Erst nach dem erfolgreichen Abschluss der Akkreditierung für eine Dauer von in der Regel zwölf Monaten gelangt man im Prozess zu Gate 2 und kann entsprechende Angestellte auf dem internationalen Markt suchen.

Auch hier wird dann unterschieden, um was für eine Tätigkeit es sich handelt: besonders gut bezahlt, qualifizierte, höher eingestufte Tätigkeit oder bestimmte Jobs, für die auf dem heimischen Markt keine Bewerber gefunden werden können. Solche Jobs werden dann auf „Regional Skills Shortage“-Listen zu finden sein.

Diese nur zum Teil neue, regionale Einstufung der gesuchten Jobs ersetzt die bislang existierende „Essential Skills in Demand“-Liste, die derzeit für ganz Neuseeland gilt. Auf diese Weise möchte man stärkere regionale Akzente setzen, da sich der Arbeitskräftemangel z. B. in bestimmten Bereichen auf der Südinsel ganz anders gestaltet als in den großen Städten des Nordens.

Gate 3

Erst anschließend rückt der Migrant selbst in den Mittelpunkt und muss als Work-Visa-Antragsteller „Gate 3“ durchlaufen. Diese Phase beinhaltet das nahezu identisch bereits bestehende Prozedere aus „identity check“, einer Gesundheitsuntersuchung, dem Charakter- und Sicherheitscheck (z. B. polizeiliches Führungszeugnis) sowie der Überprüfung der spezifischen Fähigkeiten, entsprechenden Ausbildung und zugehörigen Berufserfahrung in dem ausgeschriebenen Job.

Bisheriges Prozedere

„Anstatt das vorhandene Rad der Regularien nur auszuwuchten, versucht die Labour-Regierung, das Rad komplett neu zu erfinden“, kommentiert der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. „Bislang war es so, dass ein Arbeitgeber nachweisen musste, dass er vor Ort keinen geeigneten Bewerber finden konnte. Es ging also um den Nachweis des Bedarfs an einer ausländischen Arbeitskraft.“

Momentan gibt es fünf verschiedene Wege oder Kategorien, in denen man temporäre Work Visa angehen konnte. Die soll es künftig nicht mehr geben.

„Allerdings muss man aus der Praxis auch klar sagen, dass bei unseren Kunden seit Jahren 99 Prozent aller Work Visa Anträge ohnehin nur über die Kategorie ‚Essential Skill Visa‘ gestellt wurde. Die Frage ist also, wo führt der Weg hin? Klar ist, dass ausländisches Personal händeringend auf dem hiesigen Markt gebraucht wird. Bei einer Arbeitslosenquote von unter vier Prozent ist der Bedarf da. Und sollte die Industrie nicht an geeignete Bewerber kommen, gehen sie, ebenso wie die ,recruiter‘ selbst, auf die Barrikaden.“

Einschätzung

„Wir lassen dieses Verfahren erst einmal auf uns zukommen. Ich denke, der Markt wird die Sache langfristig schon regeln. Vielleicht akkreditieren sich eben aus Verzweiflung alle Arbeitgeber, auch die Kleinen. Dann wäre es grundsätzlich jedem Betrieb möglich, Ausländer einzustellen.

Außerdem kommt es ganz darauf an, wie einfach oder schwierig es sein wird, so eine Akkreditierung erfolgreich durchzuführen. Das ist aufgrund der bisherigen Informationen noch überhaupt nicht absehbar. Ich vermute, viele Berater vor Ort werden sich darauf stürzen, die neuseeländischen Firmen künftig im Akkreditierungsprozess zu unterstützen“, fasst der Einwanderungsberater zusammen.

„Es könnte natürlich auch sein, dass nur noch große Firmen durch die Akkreditierung kommen und sich somit die Auswahl der potenziellen Arbeitgeber für unsere Kunden in Zukunft auf große Unternehmen beschränkt.“

Der Knackpunkt wird jedoch sein, wie lang die jeweilige Bearbeitungsdauer für die einzelnen Schritte in den drei Gates sein wird: „Ich sehe das neue Prozedere als unproblematisch für unsere Kunden an, solange es schnell durchlaufen werden kann. Die Zeitspanne ist ein wichtiger Punkt, bei dem es allerdings jetzt schon häufig Schwierigkeiten gibt. Es dauert einfach zu lange, bis Visa- Anträge bearbeitet sind!“, moniert Peter Hahn.

„Im Alltag sieht es bei unseren Kunden normalerweise so aus, dass wir nur Work Visa beantragen, um die lange Bearbeitungszeit zu überbrücken, bis das ,Residence Visa‘ durch ist. Insofern sind Work Visa im Einwanderungsprozess ohnehin meist nur zweitrangig. Da viele Arbeitgeber ihre neuen Angestellten schnellstmöglich benötigen, sich die Bearbeitungszeit des ,Residence‘-Antrags jedoch oft etwa ein Jahr lang hinzieht, kommt man selten um ein Work Visa herum. Es bleibt abzuwarten, was sich tatsächlich ändert“, resümiert Peter Hahn.

Fazit ist jedoch: Von einer künftigen Simplifizierung bei der Vergabe von Work Visa durch die möglichen neuen Regulierungen kann man nicht wirklich sprechen. Im Gegenteil: Es wurden noch mehr Hürden und Bürokratie eingebaut, sofern das Papier wie vom Immigrationsminister vorgeschlagen umgesetzt werden sollte.

(Das Interview führte Anja Schönborn.)

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