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David gegen Goliath: der Kampf um „Neuseelands Pompeji“ in Otago

Die verwendeten Metaphern sind eindrucksvoll: David gegen Goliath, Neuseelands Pompeji - aber nur so können die Menschen in Middlemarch hoffen, eine internationale Firma davon abzuhalten, Neuseelands Naturerbe zu zerstören.

Rückendeckung bekommen sie von der Gesellschaft der neuseeländischen Geowissenschaften und einer echten VIP. Die Wissenschaftler haben die Regierung und den Gemeinderat von Dunedin offiziell aufgefordert, das Abbauprojekt in Middlemarch zu stoppen. Das Vorhaben würde Neuseelands wichtigste fossile Ausgrabungsstätte zerstören.

Prähistorischer Schatz unter der Erde

Unter den Foulden Hills nahe der kleinen Stadt Middlemarch in Otago verbirgt sich ein wissenschaftlicher Schatz: Der ehemalige Kratersee füllte sich vor 23 Millionen Jahren mit Sedimenten aus Einzellern und enthält eine außergewöhnliche Vielfalt an hervorragend erhaltenen Pflanzen, Fischen, Spinnen und Insekten. Diese Fossilien sind innerhalb Neuseelands einzigartig und können Aufschluss über die bisher unbekannten Ursprünge vieler heute existierender Arten geben.

Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten identifiziert; darunter extrem seltene Orchideen, Misteln, Fuchsia und andere Gattungen, die Neuseelands Flora mit Australien, Neukaledonien und Südamerika verbinden. 40 Blumen, von denen viele noch Pollen enthielten, aus 15 Pflanzenfamilien wurden ebenfalls gefunden – das sind weltweit seltene Entdeckungen.

Unter den gut erhaltenen Süßwasserfischen sind der älteste gefundene Süßwasser-Aal der gesamten Südhalbkugel und der älteste Whitebait-Jungfisch der Welt. Mehr als 50 Prozent der in Neuseeland entdeckten fossilen Insekten wurden an dieser einen Fundstätte entdeckt: über 200 verschiedene Arten aus 21 Familien. Davor hatte man nur sieben gekannt. Vier fossile Spinnen sind ebenso unter den Fundstücken.

All diese Fossilien stammen aus einem kleinen Areal an der Oberfläche der 120 Meter dicken Ablagerung, die aus unzähligen millimeterdünnen Schichten aus jährlichen Algenblüten besteht – eine Art von Jahresringen. Sobald die Paläontologen tiefer graben, erwarten sie hunderte weitere Fossilien-Arten. Ein Informationszentrum mit angeschlossenem Museum in Middlemarch ist bereits im Gespräch. Der Kratersee unter den Foulden Hills gilt jetzt schon als ähnlich bedeutend für das Verständnis von Neuseelands Vorgeschichte wie die UNESCO-Welterbestätte Messel in Deutschland.

Einzigartige Erkenntnisse für die Klimaforschung

Und er kann noch mehr für die Wissenschaft bedeuten: Die Bohrkerne aus tausenden, 23 Millionen Jahre alten Ablagerungsschichten geben einen weltweit einzigartigen Einblick in die jährlichen Klimaschwankungen über eine etwa 120 000 Jahre umspannende Periode. Internationale Untersuchungen werden bisher ungekannte Details über Klimafaktoren wie Niederschlags- und Treibhausgasschwankungen ergeben, was zu einem besseren Verständnis von Phänomenen wie der El Niño-Southern Oscillation (ENSO) und anderen Klima-Zyklen führen wird.

Kürzlich wurden jedoch Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass die Firma Plaman Global das gesamte Ausgrabungsgebiet ausbaggern will – die prähistorischen Algensedimente sollen Futter für Schweine und Hühner werden. Danach soll die Grube geflutet werden. Damit würde selbst eine wissenschaftliche Untersuchung der letzten verbliebenen Reste unmöglich sein.

Wissenschaft contra Tierfutter

"Neuseelands Identität als Land ist eng verbunden mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Wir können nicht erlauben, dass diese Quelle an Wissen über unsere Vorgeschichte zerstört wird; vor allem nicht, da weder die Anwohner noch der Staat viele Vorteile daraus haben werden ”, zürnt Dr. Jennifer Eccles, Präsidentin der Gesellschaft.

Die Argumente des Unternehmens, durch ihre Grabungen würden die Archäologen an noch tiefer gelegene Schichten gelangen, lässt Dr. Eccles nicht gelten. “Wir können es einfach nicht unterstützen, dass nahezu die gesamte Ausgrabungsstätte weggebaggert wird. Dieser Ort ist von internationaler wissenschaftlicher Bedeutung und wir müssen ihn für künftige Generationen von Wissenschaftlern und das neuseeländische Volk bewahren.”

Unerwartete Unterstützung kommt von der ehemaligen Premierministerin Neuseelands, Helen Clark. Sie zeigt sich schockiert: „In anderen Ländern würde eine solche Stätte schon unter dauerhaftem Schutz stehen. Welchen Wert haben denn Wissen und Wissenschaft für uns? Sollen wir wirklich zuschauen, wie dieses einzigartige Forschungsgebiet weggebaggert wird?“

Plaman Global hat Foulden Maar bereits 2014 gekauft und besitzt noch weiteres Land auf der Südinsel, das ausgebeutet werden soll. Laut dem internen Dokument, das der Tageszeitung „Otago Daily Times“ zugespielt wurde, erwartet die Firma von den Anwohnern kaum Gegenwehr – aber genau das soll sich nun ändern.

(Jenny Menzel)

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