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Immer mehr Wespen in Neuseeland

In der Sommersaison 2018/19 hat der Gemeinderat von Auckland mehr Meldungen über Wespen erhalten als im gesamten Jahr davor. Fast die Hälfte der 349 Anrufe beim Gemeinderat von Auckland meldeten nicht nur Wespenvorkommen, sondern Nester. Einige Gebiete in den Waitakere Ranges werden zeitweise zu No-go-Zonen für die Ranger des DOC, wenn dort die Wespenpopulation ihren Höhepunkt erreicht.

Warum ist das etwas Besonderes? In Neuseeland gibt es eigentlich keine Wespen.

Zu den Wespen, die in den 1980er-Jahren versehentlich nach Neuseeland eingeschleppt wurden, gehören die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Da es in Neuseeland auch im Winter selten sehr kalt wird, überleben hier sogar ganze Völker und können sich enorm schnell verbreiten.

Besonders die Gemeine Wespe ist sehr aggressiv und hat die eigentlich vor ihr angekommene Deutsche Wespe schon wieder fast verdrängt (für Laien ist der Unterschied zwischen den beiden Arten allerdings kaum zu erkennen). Der sehr lange, trockene Frühling und Sommer des letzten Jahres boten für die Wespen in Neuseeland ideale Bedingungen.

Am Anfang ihres Lebenszyklus suchen die Wespen nach zuckerhaltiger Nahrung wie Honigtau oder Nektar. Sie konkurrieren dann mit einheimischen Vogelarten wie dem Kaka und rauben diesen aufgrund ihrer schieren Zahl die Lebensgrundlage.

In Neuseeland hat sich deshalb die „Wasp Tactical Group” gegründet, die gemeinsam mit der National Science Challenge die außer Kontrolle geratene Wespenpopulation bekämpfen will. Experten aus Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, Maori-Stämmen, Gemeinderäten und dem DOC mahnen inzwischen, dass Wespen zu einem veritablen Problem im gesamten Land geworden sind. In der Region um Nelson gibt es inzwischen mehr Wespen als irgendwo sonst auf der Welt. In den Birkenwäldern werden bis zu 40 Nester pro Hektar gezählt.

Wespen sind geschickte Jäger und stellen eine echte Gefahr für Imker dar. Sie attackieren oft gezielt einen einzigen Bienstock, indem sie sich am Eingang postieren, alle erwachsenen Wächterbienen töten und dann in den Stock eindringen, um den Honig zu stehlen. Auch der Gartenbau, die Forstwirtschaft und die Landwirtschaft werden durch die zunehmende Wespenpopulation gestört. Laut einer Studie von 2015 entstehen so wirtschaftliche Schäden von mehr als 130 Millionen NZD im Jahr.

Die einzige Option, um die Zahl der Wespen in Neuseeland nennenswert zu reduzieren, sehen die Experten in natürlicher Schädlingsbekämpfung. Es gibt immerhin Tierarten, die wiederum auf das Ausrauben von Wespennestern spezialisiert sind oder die Larven von Wespen fressen. Diese müssten nun ebenfalls nach Neuseeland gebracht werden.

Im Moment suchen die Forscher nach Erfahrungen in anderen Ländern und haben bereits einige vielversprechende Arten unter Quarantänebedingungen nach Neuseeland importiert. Aus Südengland, dem Ursprungsland der Gemeinen Wespe, stammt z. B. eine Schwebfliege, deren Fähigkeiten zum Ausrauben von Wespennestern gerade unter Laborbedingungen getestet werden.

Das Team der Wissenschaftler hofft, in einigen Monaten die Erlaubnis von der Environment Protection Authority zum Freilassen einer Armee von Schwebfliegen zu erhalten. Der Prozess der Freilassung würde sich allerdings über mindestens ein Jahr hinziehen.

Biologische Schädlingsbekämpfung braucht eben ihre Zeit. Anstatt einzelne Wespenvölker lokal mit chemischen Mitteln auszurotten, kann so die gesamte Wespenbevölkerung in Neuseeland möglichst niedrig gehalten werden. Eine völlige Ausrottung des eingeschleppten Räubers ist auf diese Weise nicht möglich. Sie wird aber auch von den Experten nicht angestrebt – manche Dinge muss man einfach akzeptieren.

(Jenny Menzel)

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