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Wofür wird die neue Besuchergebühr IVL in Neuseeland vom Staat genutzt?

Seit Juli erhebt Neuseeland von einreisenden Touristen eine Besuchergebühr (die sogenannte IVL) in Höhe von 35 NZD. In den nächsten Monaten darf sich der Staat über Zusatzeinnahmen von Millionen von Dollar freuen. Die Frage ist nun, wofür genau das Geld ausgegeben werden soll.

Bisher ist vereinbart, dass die auf jährlich 80 Millionen NZD geschätzten Einnahmen zu gleichen Teilen auf den Tourismus-Sektor und den Umweltschutz aufgeteilt werden. Oberste Priorität haben dabei Gegenden, die von rasch wachsenden Touristenmassen regelrecht überrannt werden.

Der Milford Sound zog allein in der Saison 2018/19 eine Million Besucher an und ist ein Vorzeigebeispiel für Neuseelands bedrängte Tourismus-Hotspots. Dringend nötige Infrastrukturverbesserungen sind hier nötig, um Verkehrsstaus zu verringern, die Besucherströme besser zu verteilen und die empfindliche Natur zu schützen.

Aber auch dringende Projekte des Umweltschutzministeriums DOC und Maßnahmen zur Verbesserung der Datenerhebung von Besuchern stehen ganz oben auf der Liste.

Bisher haben Besucher in Neuseeland mit ihrer IVL bereits 2,8 Millionen NZD bezahlt. Diese Zahl wird ab 1. Oktober 2019 rasant steigen: Von da an müssen auch die jährlich etwa 1,5 Millionen Gäste aus den 60 Visa-Waiver-Staaten die IVL bezahlen, die dann automatisch zusammen mit der neuen Einreisegebühr NZeTA erhoben wird.

Wer bekommt wie viel und wofür?

Wer wie viel Geld für welches Projekt erhalten soll, wird das DOC gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (MBIE) von Fall zu Fall entscheiden. Die Regierung will demnächst ein Entscheidungsgremium aus Vertretern von Umweltschutz, lokalen Regierungen, der Tourismusbranche und der Maori vorstellen, die den beiden Ministerien beim Investieren des eingenommenen Geldes zur Seite stehen sollen.

Klar ist, dass die Gelder nicht in einem begrenzten Zeitraum ausgegeben werden müssen. Sie können auch gesammelt und zu einem späteren Zeitpunkt akkumuliert vergeben werden.

Mit dem Fokus, die wichtigsten Belastungen durch das Tourismussystem zu begrenzen, verfolgt die Regierung eine ganz bestimmte Strategie: Jede Neuseeländerin und jeder Neuseeländer soll in Zukunft vom Tourismus profitieren, und internationale Besucher sollen den bestmöglichen Eindruck von Neuseeland bekommen.

Dabei könnte sich das bisher etablierte System verändern, nach dem zunächst Kriterien für die Unterstützung aufgestellt werden, für die man sich dann bewerben kann. In Zukunft wollen die Ministerien eher Entwicklungsziele für eine Region benennen, für deren Umsetzung dann Ideen gesammelt werden.

Darunter könnten dann die Finanzierung von Straßen und Unterkünften in besonders Tourismus-intensiven Gegenden fallen oder auch in solchen Regionen, die mehr Touristen anziehen wollen. Die Regierung will dafür vor allem mit dem privaten Sektor zusammenarbeiten; neue staatliche Projekte wie den Bau des Hermitage-Hotels in Mt Cook soll es nicht geben.

Investitionen für digitale Technologien

Auch Technologieprojekte sind im Gespräch. So wird etwa ein Bezahlsystem erprobt, das auf einer mobilen App basiert. Damit könnten Besucher ganz einfach Bustickets, Campingplätze und öffentliche Toiletten bezahlen, während gleichzeitig für die bereitstellenden Gemeinden Einnahmen entstünden.

Die Tourismusindustrie fordert außerdem seit langem genauere Besucherdaten, vor allem seitdem die amtliche Besucherstatistik eingestellt wurde. Die Einnahmen aus der IVL sollen daher auch für die Erhebung von Daten über Besucherströme an Attraktionen und Unterkünften genutzt werden, die dann öffentlich zugänglich sein werden.

Genügt das Geld für den Umweltschutz?

Das DOC freut sich bereits über die erwarteten 200 Millionen NZD, die es in den nächsten fünf Jahren aus der IVL erhalten soll. Die zusätzlichen Gelder sollen ausdrücklich nicht für bereits bestehende Projekte genutzt werden.

Der Fokus der Umweltschütz liegt auf dem Erhalt von Flora und Fauna sowie historischen Stätten. Dies könnte auch die Instandsetzung von Unterkünften und Anlagen bedeuten. Erhöhte Wanderwege über Feuchtgebiete etwa dienen gleichzeitig dem Schutz der Natur und der Verbesserung der Bedingungen für Wanderer – eine Win-Win-Situation.

Nicht alle sind mit dieser Interpretation einverstanden: Die Nichtregierungsorganisation “Forest and Bird” fordert das DOC auf, seinen Anteil aus den IVL-Einnahmen ausschließlich für Naturschutzprojekte und nicht für den Tourismus zu nutzen. Außerdem bemängelt sie, das Extrageld sei zwar willkommen, aber bei weitem nicht genug.

Das DOC sollte endlich in der Lage sein, Schädlinge in allen Naturschutzgebieten Neuseelands zu bekämpfen. Von diesem Ziel ist man noch weit entfernt – dies zeigt ganz aktuell eine historische Schädlingsplage, die im Zuge einer Mega-Baummast seit einigen Monaten beide Inseln überzieht.

Forest and Bird fordert daher dringend eine weitere Erhöhung der Finanzierung für das DOC – egal ob aus allgemeinen Steuern oder einer eventuell noch zu erhöhenden Besuchergebühr.

Sind lokale Besuchergebühren die Zukunft in Neuseeland?

Bis Ende Mai 2019 hat der neuseeländische Staat Tourismusprojekte bereits mit 263,7 Millionen NZD aus dem neu eingeführten Regional-Fonds gefördert. Darunter waren 75 Millionen NZD für grundlegende Infrastruktur wie öffentliche Toiletten, Parkplätze und Müllbeseitigung.

Obwohl nun noch weitere Gelder aus der IVL dazukommen, wollen die Neuseeländerinnen und Neuseeländer gern noch mehr von ihren Gästen sehen: Nach einer Volksabstimmung in Queenstown gewinnt die Idee einer weiteren, regionalen Besuchergebühr Unterstützung. Dort hatten sich über 80 Prozent der Bevölkerung für eine solche Abgabe ausgesprochen.

Im dünn besiedelten Mackenzie District kommen jedes Jahr 300 Besucher auf einen Einwohner. Die haben die Nase voll davon, den Tourismus mit ihren Steuern zu finanzieren. Am Lake Tekapo wurden bereits 2017 drei Bezahl-Toiletten aufgestellt, die 1 NZD kosten. Die Einnahmen von nur 16 000 NZD pro Jahr brachten allerdings nicht einmal die Hälfte der Betreibungskosten ein, und viele Menschen verrichten ihr Geschäft nun hinter der Anlage.

Vertreter der regionalen Tourismus-Organisationen zeigen sich skeptisch, was den Nutzen der IVL angeht: Diese Gelder würden nicht dabei helfen, marode Infrastrukturen zu modernisieren, die durch Massentourismus unter Druck stehen. Eine lokal erhobene Besuchergebühr könnte dagegen genau dort ausgegeben werden, wo sie erhoben wird.

(Jenny Menzel)

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