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Whitebait: ein Nationalgericht, das vom Aussterben bedroht ist

Anfang September ist das Wetter in Neuseeland noch nass, kühl und wechselhaft – eben typisch Frühlingsanfang. Trotzdem sieht man in dieser Zeit vor allem auf der Südinsel zahlreiche Neuseeländer, die ausdauernd an Flussufern stehen, mit riesigen Keschern im Wasser herumfischen und einen suchenden Blick wie Goldsucher haben.

Was sie suchen, ist ähnlich wertvoll: Die Jungfische von fünf Fischarten, die nur in Neuseeland leben, gelten als Delikatesse und werden zu enormen Preisen an Restaurants im ganzen Land verkauft. Sie werden aber auch als „whitebait patties“ in jedem Take-away angeboten – denn Whitebait ist ein neuseeländisches Nationalgericht.

Um die beliebten Mini-Fischchen zu schützen, gelten strenge Fangfristen – immerhin bilden sie den Nachwuchs für die nächste Saison. Trotzdem melden Wissenschaftler jedes Jahr erneut weiterhin schwindende Bestände.

Neben der Befischung stehen Inanga, Kokopu und Koara unter Druck durch die zunehmende Wasserverschmutzung, das Verschwinden von kleinen Bächen und Flüssen und die Forelle, die zum Zeitvertreib von Anglern eingeführt wurde und in Neuseeland prächtig gedeiht.

Ein komplettes Fangverbot wäre nötig, um das Nationalgericht vor dem Aussterben zu retten – und zwar am besten sofort, fordern Umweltschutzorganisationen. Das Gegenteil ist derzeit die Praxis: Bis auf die Fangfristen vom 1. September bis mindestens zum 15. November wird das „whitebait fishing“ von keiner Regelung eingeschränkt – jeder, der einen Kescher halten kann, darf fangen und weiterverkaufen, so viel er will. Niemand weiß, wie viel Whitebait und von welcher Fischart jedes Jahr in Neuseeland gefangen wird.

Bisher hat keine Regierung es gewagt, den Finger an die heilige Speise der Neuseeländer zu legen. Einheimische Fischarten sind nicht einmal durch den „Wildlife Act“ geschützt. Dabei sind vier der fünf Whitebait-Lieferanten-Fischarten ähnlich bedroht in ihrem Bestand wie der Brown Kiwi.

Eine vom Aussterben bedrohte Tierart, die auf jeder Speisekarte erscheint und als nationale Delikatesse gilt – wo sonst auf der Welt gibt es das?, klagt die Umweltschutzorganisation „Forest and Bird“ an. Den Neuseeländern, vom Hobbyfischer bis zur Umweltministerin, scheint das Problem egal zu sein – Tradition ist Tradition, und die wird nicht nur in Neuseeland mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Selbst wenn die Regierung den Verkauf von Whitebait verbieten würde, dürfte das einen florierenden Schwarzmarkt für Whitebait erzeugen, befürchtet „Forest and Bird“. Die einzige Chance sieht die Organisation in einem kompletten Moratorium auf den Fang und Verzehr von Whitebait. So lange darauf gewartet wird, sind ethisch verantwortungsvolle Konsumenten, die mit ihrer Geldbörse abstimmen und in Zukunft auf „whitebait patties“ verzichten, die einzige Hoffnung für Neuseelands einheimische Fische.

(Jenny Menzel)

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