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Wo Papageien Schafe fressen

Credit: Mark Whatmough

Auf den ersten Blick ist Neuseelands Kea ein unauffälliger Vogel. Doch der Bergpapagei hat es in sich: Er verrückt Verkehrshütchen, klaut Brieftaschen und attackiert Schafe. Ein Studie hat nun untersucht, wie viel Schaden der übermütige Vogel wirklich anrichtet.

Der Kea (Nestor notabilis) ist mit fast 50 Zentimetern Größe ein durchaus stattlicher Vogel. Sein olivfarbenes Gefieder verleiht ihm beste Tarnung, nur wenn er seine Flügel spreizt, zeigt er ein glorreiches, orangefarbenes Unterkleid.

Doch der vermeintlich unauffällige Bergpapagei, der auf der Südinsel Neuseelands lebt, ist ein echter Schurke. In der Vergangenheit machten Keas Schlagzeilen, weil sie mutwillig Verkehrshütchen auf der Straße verschoben oder nichtsahnenden Touristen Brieftaschen und Pässe klauten.

Auf den Geschmack gekommen

Bekannt ist der Kea aber vor allem für seine Vorliebe für Schafe. Davon hat Neuseeland nun ausreichend: Laut des neuseeländischen Amts für Statistik waren es 2015 29,5 Millionen. Damit kommen rund sechs Schafe auf jeden Neuseeländer. Im Vergleich dazu gibt es vielleicht noch 3000 bis 7000 Keas in der Wildnis und diese leben meist in alpinen Regionen.

Trotzdem haben die Vögel vor allem bei Farmern einen ausgesprochen schlechten Ruf, da sie immer wieder Schafe attackieren und dabei mit ihren kräftigen Schnäbeln ordentliche Stücke Fleisch aus deren Rücken herausreißen. Zwischen 1860 und 1970 förderte die neuseeländische Regierung deswegen sogar, dass Bauern die Vögel jagten und zahlte Kopfgeld für tote Keas. Rund 150.000 wurden dafür erlegt. Erst 1986 wurde der Vogel dann offiziell unter Schutz gestellt.

Verletzte Schafe eine Seltenheit

Clio Reid, eine Expertin für Keas an der Massey University in Neuseeland, wollte nun herausfinden, wie viel Schaden die Bergpapageien wirklich anrichten. Für ihre Studie untersuchte die Forscherin zusammen mit Kollegen fast 14.000 Schafe auf fünf Bauernhöfen.

Dabei entdeckten die Wissenschaftler 70 Schafe mit Wunden, die typisch für den Kea waren. Somit war nur ein halbes Prozent der untersuchten Tiere betroffen. Außerdem war keine der Wunden so schlimm, dass die betroffenen Schafe sie nicht hätten überleben können. Grundsätzlich seien Kea-Verletzungen aber auffällig, sagte Reid in einem Interview mit der neuseeländischen Nachrichtenwebseite Stuff. Sie sähen so aus, als ob „ein Raubtier die Schafe angegriffen“ habe.

Vogelwelt Neuseelands schwer angeschlagen

Obwohl die Forscher keinen direkten Angriff beobachten konnten, vermuten sie, dass die Keas zunächst aus Neugier auf dem Rücken der Tiere landen. Daraufhin rennen die Schafe erschrocken los und die Vögel krallen sich noch fester in das Fleisch der Wiederkäuer. Sie reißen eine Wunde und entdecken dabei wohl, dass ihnen das Schaffleisch mundet, so die Vermutung der Wissenschaftler. Möglich sei aber auch, dass die Vögel direkt Jagd nach den Schafen machten oder Männchen die Schafe attackierten, um den Weibchen Futter ins Nest zurückzubringen.

Insgesamt ist die Vogelwelt Neuseelands schwer angeschlagen: Neben den intelligenten Kea gibt es beispielsweise noch die flugunfähigen Kiwis und Kakapos. Ihre Zahlen sind wie die des Keas stark dezimiert worden, seitdem der Mensch Neuseeland vor etwa 700 Jahren besiedelt hat. 70 Vogelarten sind über die Jahrhunderte ausgestorben, 30 Prozent der noch lebenden Arten sind inzwischen bedroht. Laut einer Studie, die Forscher im August im Fachblatt „Current Biology“ veröffentlichten, würde es 50 Millionen Jahre dauern, bis sich die Vogelwelt Neuseelands wieder völlig regeneriert hätte.

Barbara Barkhausen

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