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Neuseelands Gletscher: immer mehr Besucher, immer weniger Eis

Franz-Josef-Glacier Credit: Fraser-Clements
Immer mehr Touristen kommen nach Neuseeland, um dessen Gletscher zu bewundern. Dass es immer schwieriger wird, deren schwindende Eisflächen zu erreichen, sollte sie zum Nachdenken über ihren eigenen Beitrag zum Klimawandel geben, meinen Wissenschaftler.
Eine neue Studie der Universität von Canterbury untersucht die Beziehung zwischen dem wachsenden Tourismus in den Nationalparks am Aoraki Mount Cook und Westland Tai Poutini und dem fortschreitenden Verschwinden der dort liegenden Gletscher, die zahlreiche Touristen erst dorthin locken.

Im Zeitraum von zwölf Monaten haben 750 000 Menschen den Franz Josef Glacier besucht. In der Hochsaison kommen jeden Tag bis zu 6000 Touristen in das Bergtal an der Westcoast. Im selben Zeitraum erreichten die Besucherzahlen im Aoraki/Mt Cook National Park fast eine Million. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts sollen die Zahlen noch weiter steigen, bis auf über 1,5 Millionen. Mit ungefähr demselben atemberaubenden Tempo zieht sich das Eis der großen Gletscher zurück.

Wie schnell sich in den vergangenen Jahrzehnten Vorgletscher-Seen in den beiden Nationalparks gebildet und ausgeweitet haben, gilt für Geowissenschaftler als größtes Warnzeichen für gravierende Veränderungen. Für Besucher ist der Rückgang der Endpunkte der Gletscherzungen, wo das Eis abbricht, am deutlichsten wahrnehmbar. Diese Punkte ziehen sich immer weiter von den Aussichtspunkten zurück. Wo man vor einigen Jahren noch direkt in Sichtweite der Eisflächen stehen konnte, ist der Endpunkt des Tasman Glacier nun 5,5 Kilometer entfernt. Das Ende des Hooker Glacier liegt inzwischen 2,5 Kilometer weit von den Aussichtspunkten für Besucher weg.

Die Gletscher werden aber nicht nur kürzer, sondern auch dünner. Das macht das Betreten der Eisflächen schwieriger und immer gefährlicher.
Tourismusanbieter in der Region haben sich auf den Wandel eingestellt: Sie führen jetzt Touristen nicht mehr zu Fuß auf die Gletscher, sondern fliegen sie per Kleinflugzeug oder Helikopter ein. Hier kommt es zu immer mehr Streitigkeiten über Lande-Lizenzen und Flugerlaubnisse. Die Anwohner leben in der Hauptsaison mit einem konstanten Dröhnen vom unablässigen Shuttle-Verkehr.
Die scheinbar ungebremste Zunahme dieses Luft-Tourismus erscheint als besonders schwarze Ironie, weil der Flugverkehr durch seinen CO2-Ausstoß das Abschmelzen der Gletscher indirekt noch beschleunigt.


Eine Umfrage unter Touristen am Gletscher, die ebenfalls Teil der wissenschaftlichen Studie war, zeigte interessante Ergebnisse: Etwa die Hälfte gab an, der Klimawandel würde bei ihrer Reise eine wichtige Rolle spielen. 70 Prozent erwarteten, dass die Gletscher in Zukunft weiter abschmelzen würden. Die Wissenschaftler sehen dieses hohe Bewusstsein als Anlass zum Optimismus: Hier müsse man ansetzen, um Touristen ihre Verantwortung für die Natur in der Region zu zeigen. Zum Beispiel könnten sie die CO2-Emissionen ihrer Rundflüge mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten kompensieren.


Daneben sieht es die Studie allerdings als zwingend nötig an, die Zahl der Besucher zu kontrollieren. Ansonsten zerstört der Tourismus genau die Naturschönheiten, von denen er doch profitieren will. Entscheidend für die nahe Zukunft ist der Zehnjahresplan des Umweltschutzministeriums DOC, das die Lizenzen für Flüge und Landungen auf den Gletschern vergibt. Um die Zahl und die Zuteilung der Lizenzen wird heftig gestritten, in der Vergangenheit gab es schwere Vorwürfe gegen die Vergabepraxis. Von einer Einschränkung der Besucherzahlen am Franz Josef und Fox Glacier, den beiden beliebtesten Orten für Gletschertouristen, ist derzeit allerdings nicht die Rede.
Bis dahin ist es dem Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Reisenden anheimgestellt, ob man sich für oder gegen einen Gletscherflug in Neuseeland entscheidet.

(Jenny Menzel)

Bild-Credit: Fraser Clements

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