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White-Island: Wie sicher ist es, einen aktiven Vulkan zu besuchen?

Sechs Tote, mindestens acht Vermisste, 30 teils Schwerverletzte: Dies ist die Bilanz des Vulkanausbruchs auf der neuseeländischen Insel White Island. Die Bergungsarbeiten gestalten sich schwierig, Forscher fürchten, dass der Vulkan erneut ausbrechen könnte. Viele fragten sich am Tag nach der Katastrophe, warum die Insel überhaupt für Besucher geöffnet war.

Hoffnung auf weitere Überlebende gibt es in Neuseeland nicht mehr. Bei Überflügen über die Vulkaninsel konnten Polizei und Rettungsmannschaften keinerlei Lebenszeichen entdecken. Unter den Toten ist ein lokaler Touristenführer, unter den Vermissten sind zwei Familien mit Teenagern aus Australien.

Als der Vulkan ausbrach, waren laut neuseeländischer Behörden Neuseeländer, Australier, Briten, Chinesen, Amerikaner und ein Malaysier auf der Insel. Auch vier Deutsche sollen unter den Opfern sein. Über ihren genauen Zustand ist bisher nichts bekannt. Die, die überlebt haben, werden in verschiedenen Krankenhäusern in Neuseeland behandelt. Manche der Opfer sollen so schwer verbrannt sein, dass Mediziner wenig Hoffnung haben, dass sie überleben werden.

Einheimische riskierten ihr Leben

Neuseeländische Medien berichteten am Dienstag von den heroischen Taten einiger Einheimischer, die ihr eigenes Leben riskierten, um Urlauber mit Booten von der Insel zu holen. Geoff Hopkins, ein 50-jähriger Neuseeländer, der den Ausflug von seiner Tochter zum Geburtstag bekommen hatte, überlebte mit viel Glück. Sein Boot befand sich bereits auf dem Rückweg, als er noch einmal zurückblickte. „Ich konnte nur noch diese weiße und graue Wolke sehen, die ziemlich hoch und ziemlich schnell aufstieg“, sagte Hopkins dem New Zealand Herald.

Im ersten Moment habe das sehr schön ausgesehen, doch dann sei ihnen allen der Horror bewusst geworden. „Die Asche kam wie ein Walze über die Felswand und als sie darüber hinweg war, wurde es plötzlich ziemlich bedrohlich.“ Als die Besatzung Menschen ins Meer laufen sah, die vor der Eruption flohen, ließ das Boot ein Schlauchboot ins Wasser, um die Urlauber an Bord zu holen.

Viele schrien vor Schmerzen

Der Neuseeländer sagte, dass manche so schwere Verbrennungen gehabt hätten, dass sie immer wieder bewusstlos wurden. „Die Leute hatten kurze Hosen und T-Shirts an, so dass eine Menge Haut frei war.“ Vor allem die Gesichter der Menschen seien extrem verbrannt gewesen. Aber auch unter der Kleidung seien bei fast allen große Brandblasen gewesen, berichtete der Neuseeländer. Viele hätten vor Schmerzen geschrien und sie hätten alles Wasser, das sie hatten, über die Menschen geschüttet, um den Schmerz zu lindern.

Warum war die Insel für Touristen zugänglich?

Inmitten der Trauer – auch Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern reiste an, um den Angehörigen der Opfer Trost zu spenden und sich bei den Rettungsmannschaften zu bedanken – kam am Dienstag die Frage auf, warum die Insel überhaupt für Touristen zugänglich war. Rund 17.500 Urlauber hatten sie bisher pro Jahr besucht. Auch am Montag war sie für Besucher geöffnet, obwohl Vulkanologen das Gefahrenlevel eines Ausbruchs erst kurz zuvor erhöht hatten.

White Island ist einer von mehreren Vulkanen in Neuseeland, die jederzeit ausbrechen können. Dort treten sogenannte dampfgetriebene Eruptionen auf, die plötzlich und ohne Vorwarnung passieren. Die Expansion von Wasser in Dampf erfolgt mit Überschallgeschwindigkeit und die Flüssigkeit kann sich auf das 1.700-fache ihres ursprünglichen Volumens ausdehnen. Diese Energie reicht aus, um festes Gestein zu zertrümmern, Krater zu graben und Gesteinsbruchstücke und Asche bis in weite Entfernungen auszustoßen. Neben Verbrennungen ist die Gefahr groß, von Gesteinsstücken erschlagen zu werden oder an Atemwegsverletzungen zu sterben.

Vulkan könnte erneut ausbrechen

Ein australischer Vulkanologe bezeichnete White Island im Gespräch mit lokalen Medien als eine „Katastrophe, auf die man warten konnte“. Ray Cas von der Monash University in Melbourne sagte, er habe die Insel zweimal besucht und immer gedacht, dass es zu gefährlich sei, tägliche Reisegruppen zuzulassen. Auch eine britische Forscherin sagte, der Ausbruch sei „nicht völlig unerwartet“ gewesen. „Das Aktivitätslevel von White Island ist seit September relativ hoch und in den letzten Wochen sogar noch höher gewesen“, erklärte Jessica Johnson von der University of East Anglia. Es seien mehr kleine Erdbeben und mehr Vulkangas als normal aufgezeichnet worden. „Als Folge wurde die Vulkanalarmstufe erhöht.“ Trotzdem sei es schwierig vorherzusagen, wann ein Vulkan genau ausbricht.

Nach einem Ausbruch ist es jedoch wahrscheinlich, dass es zu weiteren kleinen Eruptionen kommt – eine Gefahr, die die Bergungsarbeiten der Opfer, die sich noch auf der Insel befinden, schwierig gestaltet. White Island ist nicht der einzige aktive Vulkan in Neuseeland, der diese Gefahren birgt. Auch der Mount Ruapehu, der Mount Tongariro und die geothermischen Gebiete auf der Nordinsel haben das Potenzial, solche Ereignisse auszulösen. In den vergangenen hundert Jahren Jahren gab es mehr als 60 vergleichbare Ausbrüche in Neuseeland und auch zuvor schon kamen Menschen ums Leben.

Barbara Barkhausen

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