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Neuseelands verrückter „Bird of the Year”-Wettbewerb

Yellow-eyed Penguin Hoiho Credit: Kimberley Collins CC 2.0_KLEIN.jpg

In jedem Oktober sind die Neuseeländerinnen und Neuseeländer aufgefordert, ihre Stimmen abzugeben – und das Land rutscht in einen fieberhaften Wahlkampf. Dabei werden allerdings keine Politikerinnen oder Parteien gewählt, sondern der Vogel des Jahres. „Bird of the Year“, ein 2005 ins Leben gerufener Wettbewerb der Umweltschutzorganisation „Forest & Bird”, hat sich zum Überraschungshit entwickelt.

Als 2018 eine betrunkene Kereru-Waldtaube die illustre Challenge gewann, schaffte es diese Meldung sogar in die internationale Medienberichterstattung. Und auch 2019 war der Konkurrenzkampf erbittert und hart. Einige Kiwis schrecken selbst vor Stimmenkauf und Wahlmanipulation nicht zurück, um ihren Favoriten, den Gelbaugenpinguin, aufs Siegerpodest zu hieven. Forderungen, auch ausgestorbene Vogelarten in den Wettbewerb einzuschließen, und Social-Media-Beiträge weit unter der Gürtellinie machen den „Bird of the Year contest“ spannender als jeden politischen Wahlkampf.

„Forest & Bird” sieht das Hauen und Stechen positiv: Die Anstrengungen und Betrugsversuche zeigten ja deutlich, wie sehr die Neuseeländerinnen und Neuseeländer ihre einheimischen Vögel lieben.
Auf den Gewinnervogel wartet weder ein Preisgeld noch eine Trophäe. Auch diejenigen, die auf den richtigen Vogel gesetzt haben, ziehen daraus keinen materiellen Nutzen. Die wahre Gewinnerin bei „Bird of the Year” ist – die neuseeländische Natur. Mit ihrem landesweit beliebten Wettbewerb hat es die Umweltschutzorganisation geschafft, die Menschen für das Thema Artenschutz zu sensibilisieren und wahrzunehmen, wie kostbar und besonders die Tierwelt ihrer Heimat ist.

Im vergangenen Jahr stimmten fast 50 000 Menschen bei „Bird of the Year” ab. Für diejenigen, die verantwortlich sind für die Erhaltung der neuseeländischen Natur, ist das eine starke Botschaft: Hier leben wirklich viele Menschen, die sich dafür sehr interessieren. Und sie werden dafür aktiv, online und im wirklichen Leben. Sie erheben ihre Stimme und sie werden nicht still dabei zusehen, wenn die Natur ihrer Heimat zerstört wird.

Genau dies droht Neuseelands Natur gerade. Drei Viertel der einheimischen Vogelarten sind vom Aussterben bedroht, anderen Tier- und Pflanzenarten geht es nicht besser. Die Intensität, mit der sich immer mehr Neuseeländerinnen und Neuseeländer am „Bird of the Year”-Wettbewerb beteiligen, stimmt Umweltschutzorganisationen daher hoffnungsvoll. Niemand möchte, dass diese niedlichen, eleganten, klugen oder auch nur tollpatschigen Vögel verschwinden. Alle Menschen in Neuseeland wünschen sich, dass ihre einzigartige Natur noch von vielen zukünftigen Generationen bewundert und genossen werden kann.

Hinter dem lustigen Wettbewerb steht also eine durchaus ernste Botschaft. „Bird of the Year” begann vor 14 Jahren mit einem Einleger im „Forest & Bird Magazine“, auf dem man ein Kreuzchen setzen und ihn per Post an die Redaktion senden sollte. Inzwischen ist der Wettbewerb zu einem Online-Highlight des neuseeländischen Jahres geworden, der auf allen Social-Media-Plattformen ausgetragen wird: von Twitter und Facebook über Instagram und sogar auf TikTok. Der Kaki oder Schwarze Stelzenläufer, von dem es nur noch 132 Exemplare gibt, bekam von seinen Unterstützern sogar ein Tinder-Profil spendiert. Die Dating-Plattform erwies sich als überraschend gut geeignet, um knackige Kurzbotschaften an die Userinnen und User zu vermitteln und ins Gespräch zu kommen.

Aber auch klassischer Wahlkampf ist immer noch beliebt und zielführend: 2017 pflasterten Unterstützer des Kea den Routeburn Track mit Wahlkampf-Flyern. Als der freche Bergpapagei gewonnen hatte, benannte die neuseeländische Öko-Schuhmarke Allbirds einen neuen Schuh nach ihm. Und auch die Regierung nimmt am Hype teil: Zum Start des Wettbewerbs tweetete Premierministerin Jacinda Ardern ihre Unterstützung und kündigte auch gleich ihren Favoriten an: den Westland-Sturmvogel.

Ein schöner Nebeneffekt der intensiven Beschäftigung mit der einheimischen Vogelwelt ist das gesteigerte Bewusstsein für die Lebensbedingungen und Bedürfnisse der verschiedenen Arten. Immer mehr Menschen in Neuseeland sind informiert über die Gefahren von Sedimenteinträgen in Flüsse, über Risiken der Küstenbebauung und über die richtigen Haltungsbedingungen von Hunden und Katzen, um die Vogelwelt zu schützen und zu erhalten.

Vogelliebhaber zu sein, ist in Neuseeland nichts „nerdiges“ mehr. Im Gegenteil, man ist stolz darauf. Als Anfang 2019 eine Atemwegs-Krankheit den winzigen Restbestand des Kakapo auszurotten drohte, musste das Kakapo Recovery Programme nur einen einzigen Tweet absetzen, in dem es um finanzielle Hilfe bat. Binnen 48 Stunden gingen 65 000 NZD an privaten Spenden ein.
Vögel sind Neuseelands nationaler Schatz und ein Wahrzeichen des Landes. Andere Länder mögen stolz sein auf ihre berühmten Bauwerke oder historische Errungenschaften – die Kiwis haben einen „taonga“, der noch viel älter und viel einzigartiger ist. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es Kakapo, Kea oder Kiwi. Hoffen wir, dass sie uns auch in Zukunft erhalten bleiben.
Alle Gewinner der vorherigen Wettbewerbe und eine Kontoverbindung für Spenden unter https://www.birdoftheyear.org.nz/.
(Jenny Menzel)

Bild-Credit: Gelbaugenpinguin/Hoiho, Kimberley Collins, CC 2.0 (https://www.flickr.com/photos/114706196@N08/29737254680/)

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