Vantastic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Willkommen bei 360° Neuseeland

Das Hotelsterben in Neuseeland beginnt

CREDIT: eGuide Travel CC 2.0

Es ist ein Wahrzeichen der Region und das Herz des Tourismus in der kleinen Gemeinde Aoraki/Mt Cook im gleichnamigen Nationalpark. Das traditionsreiche “The Hermitage Hotel”, das vor der atemberaubenden Kulisse der Southern Alps mit Neuseelands höchstem Berg thront, will fast alle seiner 178 Angestellten entlassen, um die Corona-Pandemie zu „überwintern“.

Die Leitung des Hotels erwartet signifikante Einschränkungen mindestens für die nächsten sechs bis 18 Monate. Als frühestes Datum einer Wiedereröffnung wird Oktober erwartet. Bis dahin will das Unternehmen bis auf acht Angestellte alle entlassen; dazu gehören Köche und Bedienungspersonal, Reinigungskräfte und Verwaltungsangestellte.

Die Kündigungen werden zwar mit vier Wochen Vorlauf ausgesprochen, es gibt aber keine Möglichkeit der Versetzung und auch keine Abfindungen. Alle, die noch im Hotel wohnen, sollen es bis Ende Juni verlassen.
Die Angestellten nahmen die Ankündigung schockiert auf. Viele von ihnen besitzen nur ein internationales Arbeitsvisum, konnten nach der kurzfristigen Ausrufung des Lockdowns jedoch nicht mehr rechtzeitig das Land verlassen und in ihre Heimatländer zurückkehren. Einige arbeiten seit zehn Jahren für das „Hermitage Hotel“ und fühlen sich fallengelassen. Andere haben bereits gekündigt, mussten aber im Hotel oder im nahen Twizel bleiben und können es wegen der Lockdown-Regeln nicht verlassen.

Eine schnell zusammengestellte Petition fast ihren Protest zusammen: Vor dem Lockdown hätten ihnen die Hotelbesitzer versichert, sie würden das Hotel nicht schließen. Damit hätten sie den Angestellten falsche Hoffnungen gemacht. Nach zehn oder 15 Jahren Arbeit im Unternehmen bekämen sie jetzt nicht einmal eine Abfindung.
Nur wenige Tage später kam die nächste Meldung: Das „Hanmer Springs' Heritage Hotel“ wird auch nach dem Lockdown nicht wieder öffnen. Das prominente Hotel in der Stadtmitte von Hanmer Springs kündigte seinen 40 Angestellten. Die Corona-Krise war hier allerdings nicht der Auslöser, sondern eher der Anlass für die Entscheidung zur endgültigen Schließung.

Das historische Hotel mit 66 Zimmern wurde 1897 gegründet und diente später als Hospital für Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Das heute noch existierende Gebäude im spanischen Stil ist von 1932. „Es ist wunderschön, aber niemand will hier übernachten. Sie wollen alle in einem Schuppen schlafen und weniger bezahlen“, seufzt der Vorsitzende des Unternehmensverbands von Hanmer Springs.

Eine Wiedereröffnung des Hotels in Hanmer Springs nach dem Lockdown hätte mindestens 300 000 NZD gekostet, und diese Summe hätte das Haus auch danach nicht kompensieren können. Seit einem Jahr flossen praktisch keine Einnahmen mehr an die Besitzer.

Immer mehr Ferienwohnungen in der Stadt nahmen dem Hotel schon vor der Krise die Gäste weg. Seit Jahren beklagen große Hotels in Neuseeland diese Entwicklung: Buchungsplattformen wie Airbnb und Booking.com machen günstigere Angebote, und die meisten Touristen schauen eben doch vorrangig auf den Preis.
Eine Woche zuvor hatte ein weiterer wichtiger Arbeitgeber im dünn besiedelten Mackenzie District, Ngai Tahu Tourism, eine Schließung angekündigt: Das in Tekapo angesiedelte weltberühmte „Dark Sky Project“ wird ebenfalls bis auf Weiteres eingestellt, ohne festen Termin für eine Wiedereröffnung.

Weitere Schließungen – ob dauerhaft oder zeitweilig – werden mit großer Wahrscheinlichkeit folgen. Wir dürfen gespannt sein, wie das touristische Angebot Neuseelands aussehen wird, wenn das Land seine Grenzen wieder für Besucher aus dem Ausland öffnet.

(Jenny Menzel)

Bild-Credit: eGuide Travel, CC 2.0

Goto Top